Reisebericht Route 66 / 2013

Route 66

Reisetagebuch

Sandra Buchs

Route 66 - 3. - 21. September 2013

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Prolog

 

„Der Weltraum, unendliche Weiten, die nie ein Mensch zuvor…“

Äh, nee…

Die USA, unendliche Weiten – menschenleer und anscheinend verlassen.

Dann wieder die Riesenstädte: lärmig, verworren, blinkend und all die Vorurteile von Gewalt und Oberflächlichkeit bestätigend. So stellen wir uns „Ami-Land“ vor. All die Bilder, die wir aus dem Fernsehen kennen. Ach? Echt? Wohl kaum. Schliesslich sind wir Schweizer ja auch nicht wirklich so, wie wir anderswo dargestellt werden, allesamt Käse und Schokolade essend, jodelnd und mit Bänker-Job.

Mit 19 habe ich meinen Motorradführerschein gemacht – für 125 ccm. Nun war ich ausgestattet mit dem kleinen Lappen – aber mit grossen Träumen. Die legendäre „Mother Road“, ja die wollte ich sehen und erFAHRen! In einem Alter, wo es sowieso um Freiheit ging, um grosse Träume.

…aber wie das Leben so spielt. Erstens kommt alles anders… Man wird sesshaft, steht eher auf Chicco und Römer als auf Harley und Davidson, statt über Kurven und Motoren redet man über Windeln und Fläschchen.

Aber irgendwann, ja, irgendwann – da ergibt sich im Leben die Chance, seine Träume wieder aus der Schublade zu kramen. Ein super Job, ein toller Chef; und die Möglichkeit auf ein Abenteuer, das 20 Jahre in mir schlummerte. Na ja, Abenteuer ist vielleicht zu viel gesagt. Eher ein Easy-Adventure. Eine geführte und entspannte Motorradtour von Chicago nach L.A., gute und gemütliche Hotels, top vorbereitet vom erfahrenen Tourleader. Und doch: Die legendäre Route 66 hat ihren mystischen Reiz noch lange nicht verloren. Wer noch nicht war, träumt davon – wer war, schwärmt nur noch. Da muss also was dran sein. Gehen wir also mal hin und gucken uns die Sache selber an.

 

Vorbereitungen

 

Dank meinem Job (ich fahre Motorrad und werde dafür bezahlt) komme ich dazu, beruflich meinen privaten Töff zu bewegen. Bei Toeffreisen.ch, dem einen Kerngeschäft von Mäder Reisen in Zumholz/FR und Schwarzenburg/BE, habe ich meine ersten Erfahrungen im Reisebürogeschäft sammeln dürfen. Irgendwann im Frühling 2011 hat mir mein Chef Charly eröffnet, ich solle doch mit auf die Route 66, die er heuer zum 25. Mal durchführt. Ich glaube, mein Gesicht hätte man filmen sollen. Wie ein Kind vor dem Weihnachtsbaum! MEIN Traum! Und er sagt „du kommst mit“! Anderthalb Jahre Zeit, mir alles unter den Nagel zu reissen, was mit der R66 zu tun hat. Bald hatten wir diverse Bilder- und Reisebücher, Karten, DVD’s und Hintergrundinfos daheim.

Im Büro freue ich mich darüber, wie die Vorbereitungen laufen. All die Leute die ich schon kenne, und die sich anmelden, all die neuen Leute, die mir am Telefon schon sehr sympathisch sind. Die Liste füllt sich sehr schnell, und knapp ein Jahr vor Reisebeginn ist die Reise ausgebucht. Die Hotelkontakte sind super nett, und die Hotels selber scheinen witzig und cool zu sein, zum Teil sogar etwas extravagant. Viele tolle Orte stehen auf dem Programm: Chicago, St. Louis, Oklahoma City, Santa Fe, der Grand Canyon, Las Vegas, und Los Angeles. Mehr oder weniger einmal quer durch die Staaten.

 

Infoabend

 

7 Wochen bevor das Abenteuer Route 66 losgeht, treffen wir die Teilnehmer der diesjährigen Tour zu einem Infoabend, und um uns das erste Mal zu beschnuppern und kennen zu lernen. Schliesslich werden wir knappe 3 Wochen lang zusammen unterwegs sein: 29 Leute, 20 Bikes, 1 Pick Up, 1 Auto.

Vieles wird uns von Charly erklärt, Fragen beantwortet, Anekdoten von früheren Reisen zum Besten gegeben.

- Warum 3 T-Shirts mitnehmen vollkommen reicht (weil sowieso jeder in jeglichen Harley- und anderen Shops Shirts und andere Klamotten kauft)

- Warum es OK ist, den Helm als Handgepäck mitzuführen (die Koffer werden nicht unbedingt sanft behandelt, der Helm könnte Schaden nehmen. Ausserdem gilt der Helm als Kopfbedeckung und wird im Zweifelsfall als solcher getragen - sprich: reklamiert das Flugpersonal, Helm montieren und so ins Flugzeug steigen)

- Warum es wichtig ist, das ESTA-Formular auf der richtigen Internetseite auszufüllen (erspart Panikläufe am Flughafen, weil das Formular falsch registriert ist)

- Warum es besser wäre, den Führerausweis in Kreditkartenform zu besitzen (weil nicht jeder einen Gewerbeausstellungs-Dauerausweis mit Foto mitführt, den die Amis für den Führerausweis halten)

Es war ein lustiger Abend, und ich hatte das Gefühl, dass wir uns schon ziemlich angefreundet haben, und dass es eine lustige Reise werden kann!

 

Schon bald geht’s los! Die letzten Tage laufen an. Die Nervosität steigt – die Vorfreude auch! Habe ich alles? Papierkram, Netzstecker-Adapter, Notfalltropfen… Himmel, bin ich hibbelig! ;-) Nachts träume ich schon (eigentlich schon lange) vom Töfffahren durch die Weiten, die lange Geraden, von all den „Roadside Attractions“, von all dem was wir erleben und kennen lernen dürfen. Eigentlich sollte man ja unvoreingenommen und ohne Erwartungen und sorglos auf die Reise gehen. Na ja, es wird dann eh anders als man sich alles vorstellt. Also: einfach nur drauflos freuen und losfahren!

 

* * * * * * * * *

 

Route 66, Anreise und Tag 1

 

Dienstag Morgen. Bei herrlichstem Wetter haben wir die heimatlichen Gefilde verlassen, sind mit Sack und Pack Richtung Flughafen Kloten gereist. Dort angekommen haben wir bald schon die ersten Reisekollegen getroffen. Als dann alle da waren (die letzten zwar etwas knapp, aber alle waren da) ging’s los mit dem Gruppen-Checkin.

Beim Boarding-Gate ankommen, ging das Telefon. Charly - am Vortag schon nach Chicago gereist - ist extra um halb 5 aufgestanden, um uns per Telefon eine gute Reise zu wünschen!

Ein letzter Blick auf die Berge, und nach langem Anstehen ging’s ab in den Flieger. Bis dann alle ihre Plätze hatten, dauerte es noch eine Weile. Natürlich wollten alle neben ihrem Partner sitzen. Beim Gruppen-Checkin werden die Plätze anscheinend einfach so vergeben, und so wurde halt mal schnell etwas hin und her getauscht, und irgendwann sassen dann mehr oder weniger alle da wo sie wollten. Es konnte losgehen. 9h20 Flug waren vorausgesagt, und um 15h40 Ortszeit sollten wir landen. Es gab Futter, gute Filme, mit dem ersten Whiskey wurde angestossen. Schlafen habe ich nicht fertig gebracht, dafür hatte ich dank der klimatisierten trockenen Luft ziemlich rote und trockene Augen.

Pünktlich kamen wir in Chicago an, wo dann dafür das Immigration etwas lange dauerte. Endlich draussen, haben uns Klaus und der Hotel-Shuttlebus abgeholt. Und die restlichen 12 mussten dann ein Taxi nehmen, weil Bus und Auto für uns 28 dann doch zu klein waren. Dann erst mal Hotelzimmer beziehen, und Moni, Alex und ich fuhren mit Klaus wieder an den Flughafen, das Mietauto abholen. Dachten wir... Das Auto war aber auf Charlys Namen reserviert, und mit seiner Kreditkarte in meinen Händen wollten die lieben Leute auch nichts anfangen können. Also mal wieder ein Taxi bis zum Hotel und erst mal etwas essen und eeeeendlich schlafen!

Nach einer erholsamen Nacht ging’s am Morgen früh mit einem Car nach Milwaukee ins HD-Museum. Viele interessante Töffs konnten bewundert werden. Vom Nr. 1 Harley bis zu den heutigen Modellen standen da. Ausführliche Infos zu jedem Töff - und auch die legendäre Maschine von Peter Fonda! (OK, ein Double, aber schon schön, das Teil mal live zu sehen)

Nach einem Streifzug durch den Shop ging es weiter zum House of Harley, wo noch die letzten Helme gekauft wurden, Shirts wurden stolz an die Kasse getragen, und so mancher kam mit grossen, vollen Taschen zum Bus zurück.

Weiter zum Anfang der Route 66, wo wir dann endlich auch etwas essen konnten - bevor Kurt zum Kannibalen werden konnte ;-) Danach auf den Willis-Tower, oder Sears-Tower, wie er auch heute noch genannt wird - von 1974 bis 2010 das höchste Gebäude der Welt. Bis in den 103. Stock hat der Lift gerade mal 45 Sekunden. Und die Stadt sieht aus 412 Metern über Grund schon fantastisch aus. Nicht nur von den Glasbalkonen aus.

Dann nix wie heim ins Hotel, und nix wie wieder ab an den Flughafen, diesmal MIT Charly, damit das mit dem Mietauto doch noch klappt. Dafür haben wir dann statt dem Minivan einen ausgewachsenen SUV gekriegt. Ein Riesenteil! Dafür ist unser Nesthäckchen Alexandra total happy, dass sie in dieser Megakiste mitfahren kann.

Die andern haben in der Zwischenzeit ihre Feuerstühle ausprobiert, sind die ersten Meter durchs Quartier getuckert, die meisten (grossen Jungs) mit einem seligen Lächeln im Gesicht. Voller Ungeduld und Vorfreude für den Start morgen früh.

Nach einem gemütlichen Znacht beim Chinesen sind wir dann noch etwas vor dem Hotel gesessen, haben gelacht und geredet. Da das Hotel keine Bar hat, und es somit keinen Schlummerbecher gab, blieben wir halt beim Mineralwasser.

Und jetzt: ab in die Federn, morgen gilt's!

 

Route 66 - Tag 2 und 3

 

Unser Programm vorab: Chicago - Joliet - Bloomington - Lincoln - Springfield - St. Louis.

Nach einer finalen Instruktion ging es gestern los. Alle Koffer einladen, Töffs satteln, einreihen und los! Bis dann Chicago mal hinter uns war, haben wir gefühlte 100 Mal an Ampeln angehalten. Tourleader Charly hatte schon gefürchtet, bis zum 1. Kaffeehalt die ersten Leute zu verlieren. Doch dem war nicht so. In einer geschlossenen Gruppe fuhren wir alle wie es sich gehört und diszipliniert versetzt bis zum ersten Halt. Niemanden verloren, alle Töffs laufen. Wunderbar!

Nach dem 1. Halt dann kurz vor Joliet - Kurt hält an... Er hat nicht mehr dran gedacht, dass ein Harleyschlüssel nicht am Töff bleiben soll (Töff starten, Schlüssel am Halsbändel unter die Jacke versorgen), und der Schlüssel fliegt vom Töff. Zu acht haben wir also den Strassenrand abgesucht, bis der Schlüssel gefunden war. Zum Glück hat er sofort angehalten als der Schlüssel sich aus dem Staub machte. Puh!

Dann ein kurzer Halt bei den Blues Brothers, und weiter auf die originale Route 66! Kurz nach dem Gemini Giant dann in einem kleinen Nest Zmittagstopp. Bei Nelly's durften wir erst mal auf die Leiter steigen, um uns mit Filzstiften an der Bardecke zu verewigen! Dafür wollte sie noch ein Foto von uns allen auf den Bikes mit ihrem Restaurantschild drauf! Alex hüpfte noch schnell in den Laden, um eine CD zu kaufen - und der Töfftross hatte sich unterdessen auf den Weg gemacht. Wir hinterher... Noch hatten wir die Gruppe im Blick. Doch irgendwann... niemand mehr da. die Histroic Route 66 ist ja gut angeschrieben. Doch keine Spur von unsern Bikern. Alles halb so wild, die finden wir dann schon wieder. Oder so... Jedenfalls sind wir dann irgendwann umgekehrt, nachdem uns am Telefon gesagt wurde, sie seien hinter uns. In der Zwischenzeit ist die Gruppe aber in einem Ort durch ein anderes Quartier gefahren als wir, und so haben wir uns gekreuzt. Also wieder umkehren und wieder westwärts. Jedenfalls hatten sie einen gemütlichen Halt an einer hübschen Tankstelle, und wir haben uns alle wieder gefunden.

Am Nachmittag in Pontiac besuchten wir eins der vielen Route 66 Museums auf der Strecke. Und auch das obligate Gruppenfoto vor der R66-Mauer durfte nicht fehlen!

In Bloomington haben wir dann unser superschönes, freundliches und eiskalt klimatisiertes Hotel bezogen. Nach einem feinen Znacht bei Fridays nebenan und einem (oder zwei) Schlummerbechern ging’s in die Heia.

Heute Morgen war unser erster Halt in Funks Grove, wo es herrlichen Ahornsirup und sonst allerlei Souvenirs in einem (sagen wir mal) antiken Laden gab. Aber herrlich gelegen und super freundlich.

In Atlanta, wo auch der Hotdog-Mann steht, gab’s einen Kaffeehalt. Die Orte, die wir gestern und bis jetzt gesehen haben waren allesamt so typisch amerikanisch, wie man’s aus dem TV kennt. Schön gepflegt, viel Platz um die Häuser, der Rasen sauber geschnitten. Wirklich ein Traum!

Zu Mittag gab’s ein gemütliches Pic Nic bei einer Tanke in Springfield. Zeit zum tratschen, Sprüche klopfen - oder für ein Schläfchen unter den Bäumen.

Und dann, dann kam der Moment, wo wir auf einem der allerältesten Teilstücke der Mother Road standen, auf der kopfsteingepflasterten Route 66. Von Boden küssen bis barfuss drauf rumhüpfen war alles drin!

Weiter ging’s durch kleine Nester, weniger kleine Nester, durch Felder, Wälder, meist geradeaus - westwärts. Ein letztes Stück haben wir die Autobahn genommen. Langsam bekamen wir Stalldrang, und um 5 wollten wir schliesslich im Hotel sein und den Grossen Bogen sehen. Und dann kam er: Der Getaway Arch! Imposant! Nachdem die Töffs in der Garage standen, alle unter die Dusche gehüpft waren, gab’s ein Happy-Hour-Buffet. Allerlei Futter, Getränke (erst mal ein Bier!!) - und alles gratis für die Hotelgäste.

Gefüttert und zufrieden erst mal etwas St. Louis erkunden, den Arch mal von Nahem angucken (rauf wollen wir dann morgen), noch ein Bierchen in der Bar - und jetzt erst mal die müden Glieder strecken. Mal gucken was morgen alles auf uns wartet. Laut Programm der Arch, Jesse James, allenfalls die Budweiser-Brauerei?

 

Route 66 - Mit Volldampf in die Staubpfanne!

 

...eigentlich wollte ich ja meinen 2-Tages-Rythmus beibehalten. Aber tja. Das kam so: (oder: es isch e soooo...!)

Aber erst mal von Vorne. Erst mal ging’s in St. Louis auf den Arch. 192 hoch ist der Bogen. Pünktlich um 9 standen wir dort und liessen uns mit den 5er-Minikapseln nach oben befördern. Von oben dann ein herrlicher Blick durch die winzigen Fensterchen auf die Stadt. Dann husch-husch wieder runter, zackigen Schrittes ins Hotel, Töffkleider anwerfen, Koffer ins Auto, und ab die Post!

Vorbei an schönen Häusern, durch hübsche Örtchen und über die alte zweispurige Route 66 kamen wir dann zu den Meramec-Höhlen, wo sich damals Jesse James versteckt hat. Die Höhle selber möchten wir uns nicht angucken, dafür hatten wir ein zu schönes Alternativ-Programm ;-) Kürtu hüpfte ins kühle Nass und hat es genossen, im Fluss zu planschen. Recht hatte er!

Weiter ging’s auf langen Geraden, durch Sankt Jakobsen (St. James) Richtung Devils Elbow, des Teufels Ellbogen. Der Name kommt von der engen Flussbiegung. Die Holzfäller mussten ihre Stämme durch dieses Nadelöhr flössen und verfluchten die schwierig zu befahrende Kehre.

Dort gab’s eine lustige Rast. Der zweite Teil der Gruppe, die individuell unterwegs war, sass dort schon bei Spareribs und alkoholfreiem Bier. Die Biker-Bar ist an der Decke vollgepappt mit BH's.

Danach noch ein Abstecher bei Gary's Gay Parita, einem winzigen Route 66 Shop. Gary verkauft Souvenirs (Kasse hat’s keine, das Geld wird abgezählt in den Briefkasten geworfen). Dann offerierte uns Gary noch ein leckeres Eis, Grüsse der letztjährigen Teilnehmer wurden überbracht, und Gary gab seinerseits Grüsse mit für die daheim (Gäll Heidi!).

Am Abend kamen wir dann in Lebanon an. Das Motel war OK, und die Küche konnte halt dank uns nicht schon um 8 schliessen, sondern erst um 9. Bier durften sie keins ausschenken, da holte Alex welches von der Tanke nebenan für die ganze Gruppe. Nach einem letzten Bier vor der Restauranttüre ging’s dann ab in die Federn.

 

Von Lebanon nach Tulsa:

So, heute konnte ich statt im Auto mal auf dem Töff fahren. Die Softail wummerte friedlich, alles schien wunderbar. Wir haben viele uns unbekannte Tierarten entdeckt: flache Gürteltiere, inside-out-Waschbären, Platt-Schlangen... Unglaublich, was da für Viechzeugs auf der Strasse liegt.

Heute war auch der Drei-Staaten-Tag. Missouri, Kansas, Oklahoma. Der Tag wurde immer heisser. Bis am Mittag in Carthage ging’s noch einigermassen. Kansas war kurz (13 Meilen), und wegen der Hitze haben wir Brutus ausgelassen - den Riesenbagger.

In Miami, Oklahoma, gab’s dann noch eine Wasserpause. Das über Kopf und Körper geleerte Wasser verdunstete fast augenblicklich. Bis nach Tulsa war’s dann aber noch eine ziemliche Strecke, und so fuhren wir gefühlte 500 Meilen (es waren irgendwie 40 Meilen...) über die Autobahn. Schon beim Tankstop eine halbe Stunde vor Tulsa waren die meisten ziemlich Fix und Foxi. Im Hotel angekommen ging gar nix mehr. Ich für meinen Teil war so fertig, ich hätte nur noch umkippen können. Andere wollten nach der Dusche "schnell" die Beine strecken, und sind dann erst irgendwann aufgewacht.

Zu viert haben wir uns eine Pizza ins Hotel liefern lassen, noch gemütlich ein Bier getrunken, und sind dann einfach nur noch ins Bett gekippt.

 

Tulsa - Clinton:

Nach einem erholsamen Schläfchen sah die Welt nun schon wieder viiiiel besser aus. Ausgeruht und diesmal mit ziemlich weniger Kleider am Leib schwangen wir uns in die Sättel. Sicherheitskleidung vs. Hitzschlag... Pfeif auf die Sicherheitskleidung! In Hemd und Gilet geht’s auch! Die Strassen hier sind eben, gerade, der Verkehr ist moderat - und hier hat’s auch nicht die lästigen, rutschigen Bitumen-Flickstreifen wie auf heimischen Strassen. Der Nachteil: Irgendwann krempelt man die Ärmel hoch, und am Abend sieht man ziemlich genau, bis wo das Hemd ging, und wo die Handschuhe anfangen! Après-Soleil musste her! :-)

Jedenfalls: Das Znünikafi bekamen wir in einem Sonic-Drive-in. Man kann also ganz gut den Töff dort parkieren, vor die Bestelltafel stehen und so seinen Kaffee bestellen, die bringen einem Futter und Kaffee nicht nur ins parkierte Auto, sondern auch neben den parkierten Töff! In Stroud gab’s dann auch noch mal einen Stopp, und wir besuchten das wahrscheinlich kleinste Rock Café der Welt. Deren Besitzerin Dawn Welch war die Inspiration für Sally Carrera im Pixar-Film "Cars".

Durch Chandler nach Arcadia, und dort die runde Scheune besuchen. Im Round Barn, der roten Scheune ist ein Route 66 Museum untergebracht. Im Obergeschoss kann man die fantastische Akustik erleben. Neben der Scheune ist ein Teil einer Wild-West-Stadt. Ob das mal eine Roadside Attraction war weiss man nicht so genau. Aber gut siehts alleweil aus. Mit einem Sandwich aus der Tanke nebenan setzten und legten wir uns unter die Bäume. Ach ja: Warum die Scheunen hierzulande rund sind: Die Legende besagt, dass der Teufel so die Farmer nicht in die Ecke drängen kann! (Wahrscheinlicher ist aber, dass die Tornados runde Gebäude weniger angreifen können)

Nach Oklahoma kam dann ein herrlicher Teil: 12 Meilen freies Fahren. Erst kommt mal so der Gedanke auf "och nee, schon wieder geradeaus", und irgendwann - die Nähte der Strasse unter einem wie ein Metronom "ta-tack, ta-tack, ta-tack..." – macht’s Klick! Es geht nicht ums geradeaus oder um Kurven. Es geht nicht um Geschwindigkeit oder um Sehenswürdigkeiten. Es geht darum, mal die Systeme runterzufahren, nicht schon an heute Abend denken, oder an morgen oder nächste Woche. Einfach mal Umdrehung für Umdrehung den Weg unter die Räder nehmen, Meile für Meile die Gegend und das Leben auf einen zukommen lassen. Sehenswürdigkeiten auf einen wirken lassen - oder einfach nur die Natur geniessen. Einfach... Sein...!

Danach kamen wir über die Pony Bridge. Die 38 Bogen spannen sich über 1,2 km über den Canadian River. Ursi wurde beim Pickup aufs Gepäck gesetzt, und Housi fuhr langsam voraus. Wir dann erst hinterher, und auf der Brücke gemütlich den Pickup überholt, so dass Ursi uns alle filmen konnte. Eh ja, soviel Show und "Touristeln" muss ja auch sein! :-)

Im Clinton sind wir dann alle gut und fröhlich angekommen. Nach dem Happy Landing gingen die einten erst mal in den Pool, in die Loundry (lustigerweise braucht man ziemlich viel Wäsche bei den Temperaturen), und dann ins Steakhouse "Montana Mike's" nebenan. Leeecker Fleisch!

So, und jetzt Nachtruhe. Morgen gehts nach Texas! Yippie-ay-Yeah Cowboys!

 

Route 66 - durch den Wilden Westen

 

Unser Programm der letzten 2 Tage: Clinton - Amarillo - Santa Fe / Oklahoma - Texas - New Mexico.

Von Clinton aus bin ich mal wieder im Auto gefahren. Erst ein Besuch im Route 66 Museum in Clinton. Da wir um halb neun noch viel zu früh dran waren, und das Museum erst um neun öffnet, kurvten wir gemütlich kreuz und quer durch Clinton. Viel gab’s zwar nicht zu sehen, aber das Örtchen ist ganz schön. Im Museum war der grosse Anziehungspunkt natürlich der Shop. Es wurde wieder ziemlich eingekauft.

Mit vielen Einkaufstüten im Auto fuhren wir durch die Prärie. Am Vormittag machten wir einen Halt im nächsten Museum. Eine Art "Ballenberg für Cowboy-Städtchen" in Elk City. Danach ging’s weiter nach Sayre, zu unserem alljährlichen Fototermin für die Lokalzeitung. Brad Spitzer, der Zeitungsbesitzer macht jedes Jahr einen Artikel über unsere jeweilige Gruppe - mit Foto, und z.T. gar auf der Titelseite - und schickt uns eine Beige Exemplare zu. Der Preis: ein paar Dollar fürs Porto und eine grosse Tafel Schweizer Schokolade!

Die einte Kleingruppe fuhr wieder für sich, und wir andern (23 Leutchen inkl. Begleitfahrer) machten uns auf den Weg, weiter westwärts. In Erick wollten wir den vielbeschriebenen "City Meat Market" besuchen. Der Besitzer ist ein lustiger alter Mann, der gern zur Gitarre greift und sogar eine Schweizerfahne schwenkt. Leider sind er und seine Frau im Moment nicht im Ort, und so haben wir unser Zmittag im Supermarkt nebenan geholt und beim City Meat Market auf der Veranda gegessen.

Weiter ging’s auf einem wirklich alten Teilstück der alten Route 66. In sehr gemächlichem Tempo liessen wir die Strasse auf uns wirken. Der nächste Ort, Texola, besteht praktisch nur aus einer Kneipe. Da sind wir aber vorbeigefahren und schon waren wir in Texas. Das Devil's Rope Museum (schon das dritte Museum heute!) war unser nächstes Ziel. Eine sehr umfassende Ausstellung von und mit Stacheldraht und anderen Handwerks- und Ranch-Gegenständen kann bewundert werden.

Langsam verändert sich die Gegend. Alles wird weiter, grösser, weitläufiger... Die Farbenspiele werden noch vielfältiger. Viel rote Erde (Oklahoma) wird mit zunehmend Grün durchsetzt (Texas). Allerdings kamen ein paar Wolken auf. Schönwetterwolken, wohlverstanden! ;-) Das Faszinierende ist, dass man tatsächlich die Erdkrümmung sehen kann. Nach allen Seiten sieht man meilenweit. Bei uns sieht man die Wolken irgendwann in Hügeln oder Bergen hängen, es gibt Konturen. In Texas sieht man irgendwo weit hinten den Horizont und hat das Gefühl, die Wolken kommen immer noch nicht mit ihm zusammen... Grandios!

Riesige Kuhherden grasen auf endlosen Flächen, baden in Regentümpeln und lassen sich von unserer knatternden Biker-Gang nicht beeindrucken. In Groom sehen wir den berühmten schiefen Wasserturm (der ist übrigens absichtlich so schief gebaut als Hingucker für den damaligen Britten Truck Stopp). Rechts und links sieht man die kreisrunden Felder. Na ja, man erahnt es eigentlich eher als dass man es sieht. Mit riesigen Bewässerungsarmen, die im Kreis fahren, wird der Boden nutzbar gemacht.

In Conway unser letzter Zwischenstopp für heute - die Bug Ranch. Eine Parodie auf die Cadillac Ranch in Amarillo, bestehend aus fünf VW-Käfern, die Nase voran im Boden stecken.

Und schon waren wir in Amarillo. Das Big Texan ist nicht zu verfehlen, wird es doch schon seit vielen Meilen immer wieder angepriesen mit riesigen Plakaten. Dort war dann auch unser Nachtlager. Wie eine kunterbunte Westernstadt lädt das Motel zum übernachten ein. Die Zimmer sind übrigens auch sehr Cowboy-like eingerichtet! Lederdecken, die Lampen mit Sporen verziert, zum Bad statt einer Tür eine Saloon-Schwingtüre.

Im Restaurant Big Texan nebenan gibt’s mal so richtig Fleisch! Wer mag, kann ein 72 oz Steak mit Beilagen! vertilgen. Wer's in einer Stunde mag, zahlt nichts. Aber so 2'038g Fleisch mag nun wirklich kaum einer! Drei (nicht von unseren) haben’s probiert an dem Abend, aber alle sind dann mit noch mehr als der Hälfte im Tupper heimwärts. Nach einer Runde an den einarmigen Banditen oder an der Schiessbude ging’s dann ins Bett.

Am andern Morgen dann ein kritischer Blick gen Himmel, und die Regenkombis wurden schon mal griffbereit in den Satteltaschen verstaut. Die längste Teilstrecke erwartete uns. Da Eliane einen Tag aussetzen wollte, habe ich ihren Rasenmäher, äh, ihre Sportster übernommen. Erst mal zur Cadillac Ranch. Die 10 schräg gepflanzten Uralt-Autovracks waren eher enttäuschend. Gross zu sehen gab’s da eigentlich nichts. Aber man kann dafür witzige Fotos machen ;-)

Dann der Midpoint in Adrian, in der Hälfte der Route 66 das obligate Foto. Wieder ein kritischer Blick gen Himmel, der immer dunkler wurde. Na, wenigstens würde es heute nicht heiss werden! Die kühle Brise war ja eigentlich gerade angenehm zum Fahren.

In Glenrio dann ein kurzer Halt. Der Ort hat ein Motel und eine vierspurige Strasse. Allerdings sind beide in einem ziemlich desolaten Zustand. Aber fürs Montieren vom Regenkombi ging’s ganz gut. Auf die Autobahn weiter Westwärts und - Zack! - über die Grenze nach New Mexico und in eine neue Zeitzone. Eine Stunde gewonnen! Tankstopp an der Russell's Truck & Travel Center Raststätte (mit einer fantastischen Oldtimerausstellung).

Leicht angefeuchtet vom ersten Regen fuhren wir nach Tucumcari, wo wir im McDonalds einkehrten. Der Regen hörte etwas auf, und so fuhren wir gestärkt weiter. Dort bog Charly ab, quer durch die Pampa. Und dann kam er, der erste wunderbare, schnurgerade Streifen Asphalt, so weit das Auge reicht! Zwar "nur" 8 Meilen, also knapp 13 km. Aber ich hab dann doch den einen oder andern Jauchzer loslassen müssen! Genau darum war ich ja hier! Mal sowas zu sehen. Einfach mal geradeaus. Die endlose Weite, umrahmt von flachen Bergen, den südlichen Ausläufern der Rocky Mountains, der Steppe... OK, die schwarzen Wolken hätt’s nicht gebraucht.

Irgendwann wurden dann doch wieder die Regenkombis montiert, und dann kam er: Der Regen! Der Vollschiff! Und der Nebel. Irgendwo im Nirgendwo fuhren wir weiter. Keine Ahnung wohin und woher. Aber vorwärts. Gottlob wusste Charly wohin. Und irgendwann... riss der Himmel auf, am Horizont ein leuchtendes Hellblau, und immer mehr blau. Vor uns die weite Prärie (fehlten nur noch Bisons und Indianer!), über uns wie verzupfte Wattebäuschchen die Wolken an einem intensiv blauen Himmel. Traumhaft! Wären da nur nicht die mit Wasser randvollen Schuhe gewesen. Die störten etwas. Aber wir waren in Las Vegas! Äh, Moment! Wir wollten doch nach Santa Fe? Las Vegas ist erst in 5 Tagen dran?? Ach so, Las Vegas in New Mexico, nicht das in Nevada!

Nach dem Tanken schnell noch einen Kaffee hinuntergestürzt (Charly war schon wieder startbereit, unser Kaffee erst gerade bestellt), und ab die Post. Die letzten 60 Meilen waren durchzogen. Sonnig, trocken, nass, verregnet, von allem etwas. Und so mit Regen gegen die Windschutzscheibe gegen die Sonne fahren ist irgendwie nicht entspannend. Jedenfalls dann kurz vor Santa Fe kam die Sonne volle Pulle zurück, und wir erreichten das Hotel bei wärmsten Temperaturen, als ob nie was gewesen wäre.

Die wunderschöne Stadt wurde natürlich erkundet, die vielen Läden inspiziert, und nach einer grandiosen Pizza im "Rooftop" wurde der Abend abgerundet.

Und nun "Buenas Noches y Hasta Manana!" Morgen geht’s über den Turquoise Trail nach Albuquerque.

 

Route 66 - Von Santa Fe nach Albuquerque

 

...oder vom Regen in die Traufe?

Nach einem gemütlichen Morgen mit Ausschlafen und einem feinen Zmorge (Rösti mit Spiegelei) bestiegen wir bei beginnendem Regen unsere Töffs. Ich hab wieder Elianes Schüttelbüx gefahren.

Bei sehr mässigem Wetter aber mit recht guter Laune fuhren wir los. Zwar meinte Charly, das Wetter werde besser, aber nach kaum 5 Minuten gab’s den ersten Stopp - Regenkombis montieren. Auf relativ schliddriger Strasse und bei Sauwetter ging’s weiter, den Turquoise Trail runter Richtung Albuquerque. Der erste Halt war Madrid - Schauplatz des Films "Born to be wilde - saumässig unterwegs" mit u.a. John Travolta und Tim Allen. Und ja, Maggie's Diner gibt’s! Allerdings ist das kein Diner, sondern ein Shop. Und ja, die verkaufen dort massenhaft Wild Hogs und Del Fuegos Sachen. Und ja, selbstverständlich habe ich mir ein Wild Hog T-Shirt gekauft! :-D (um es am Abend gleich wieder zu verschenken und Michi glücklich zu machen)

Eigentlich wollten wir ja bei einem Kaffee abwarten dass der Regen etwas nachlässt. Die Barbesitzerin meinte, es habe seit Monaten nicht geregnet, und schon Ewigkeiten nicht mehr so wie heute. Toll! Und da deren Kaffeemaschine nicht funktionierte, und es konstant so weiterschiffte, fuhren wir halt so los.

Während der Fahrt konnte ich ganz bewusst spüren, wie sich die Regentropfen langsam, aber unaufhaltsam, den Weg durch die Regenkleidung suchten, sich bis an die Haut schlichen, sachte bis in die Schuhe wanderten, um sich dort gemütlich zwischen den Zehen niederzulassen. Jedes Betätigen des Schalthebels verursachte ein schmatzendes Geräusch - das man zwar durch den Motorensound nicht hören, dafür um so deutlicher spüren konnte. Man muss einfach die Füsse regelmässig bewegen, und fleissig mit den Zehen wackeln, dann wird wenigstens das Wasser in den Schuhen etwas wärmer. Dann geht’s.

In Sandia Crest machten wir Mittagshalt. Von hier aus kann man zum Sandie Peak fahren, ein wunderschöner Aussichtspunkt - sagt man. Ein paar hartgesottene wollten ihr Glück versuchen und fuhren los: nachschauen, ob der Peak über der Nebel- und Wolkendecke liegt. Wir andern blieben und haben’s uns im Restaurant gemütlich gemacht, haben uns heisse Matches am Töggelikasten geliefert und etwas gegessen. Irgendwann kamen die andern dann auch wieder. Klitschnass und schlotternd. Fazit: Der Sandie Peak lugt NICHT über die Wolkendecke durch. Es hat einfach nur gekübelt und war saukalt. Der Peak ist immerhin auf ca. 3'255 m.ü.M.

Gestärkt und wieder etwas aufgewärmt ging’s weiter. Das mit "trockene Momente abwarten" hat eh nicht funktioniert, also was soll's, nass waren wir eh alle. Ab nach Albuquerque. Zeitweise war’s auf der Autobahn schon sehr grenzwertig mit Fahren. Aber es ging. Gemütlich, süüferli und voll konzentriert fuhren wir runter gegen die grosse Stadt. Kurz vor Albuquerque - schon so wie gestern: trockene Strassen, Sonne - als wie wenn nichts wäre! Und so konnten wir um halb 3 bereits unsere Mopeds beim Hotel abstellen und uns dem Happy Landing widmen.

Am Nachmittag ging’s dann mal in die Altstadt, wo natürlich die zahllosen Souvenirshops abgegrast wurden, und nach einem feinen Znacht (Fajitas & Co) schnell zurück ins Hotel - es tröpfelte bereits wieder - und noch auf einen Schlummertrunk in die Hotellobby.

Morgen geht’s wieder gen Westen. Und das Wetter wird wahrscheinlich so wie heute. Ich werde wieder Elianes Töff nehmen. Meine Sachen sind eh schon klitschnass, also was soll’s. Kann nur noch besser werden...

 

Route 66 - Indianer, Regen, Farben, und noch etwas mehr Regen...

 

Am Morgen ging’s von Albuquerque los, bereits im Regenkombi. Allerdings blieben wir die ersten 20 Meilen ziemlich trocken. Nach dem Tankhalt hatten wir 30 Meilen freie Fahrt. Trotz Regen eine wunderbare Landschaft. Man hätte auch hier den Indianer auf dem Pferd erwarten können - allerdings wäre wohl kein Indianer freiwillig aus seinem Tipi gekrochen. Ich bin gemütlich durch die Gegend getuckert, hab zwei Mal angehalten und einfach mal nur rundum geschaut.

Bei einem Indianerdorf an der Tanke gab’s Mittagshalt, und wir haben 4 andere Schweizer getroffen, die auf eigene Faust unterwegs sind.

Am Nachmittag haben wir bei Grants, beim El Malpais National Monument, die Lavafelder kurz von Nahem angeschaut, und Kürtu hat sich dabei fast in einen Kaktus gesetzt. Im dortigen Naturschutzgebiet war auch wieder freies Fahren angesagt und ein freiwilliger Trip weiter ins Tal hinein, wo ein schöner Felsbogen zu sehen ist. Den haben wir zu viert aber ausgelassen und sind schon mal wieder nach vorne gefahren, zum nächsten Tankhalt und um uns in aller Gemütsruhe ein Sandwich zu genehmigen.

Etwas weiter vorne in Grants haben wir eine Alibi-Töffwaschaktion gestartet. Einmal durch die Autowaschstrasse und dort mit dem Wasserschlauch den Dreck der letzten zwei Tage abwaschen. Die Töffs haben zwar hinterher ausgesehen wie vorher, aber egal! Die Angestellten hatten ihren Spass, und wir unsere Pause.

Von dort dann auf die 53, südlich der Route 66 ins Zuni-Land. Erst dachten wir, wir kämen schön ins Regengebiet, aber wir haben das Wetter umfahren. Ausser ein paar grossen Regentropfen blieb alles mehr oder weniger trocken. Die Gegend dort ist absolut sehenswert! Eine Mischung aus Jura, Kanadas Wäldern und der Lüneburger Heide. Traumhaft! Im Ancient Way Cafe gab’s dann einen feinen Kaffee, der uns Güschtu spendiert hat! Zum Dank wurde er von den Frauen abgeküsst ;-)

Die letzten Meilen vor Gallup sind wir dann noch einmal zünftig ins Wetter geraten. Es hat gerade noch gereicht, um noch schnell mal wieder nasse Füsse zu kriegen. Aber der Regenbogen danach war auch nicht ohne.

Unsere Kleingruppe hat eine andere Route genommen, und ist in einen ausgewachsenen Sturm geraten mit heftigem Regen, Hagel, und mit total gefluteten Unterführungen. Abgekämpft und müde haben aber auch sie das Hotel El Rancho in Gallup wohlbehalten erreicht. Auch im Hotel waren unsere vier neuen Bekannten.

Das Hotel ist eine der Sehenswürdigkeiten, die auf einer Route 66 Tour einfach dazugehören. Wo schon Filmstars genächtigt haben, waren wir jetzt. Das Haus ist etwas in die Jahre gekommen, hat aber einen umwerfenden Charme. Gallup selber ist nicht wirklich interessant, die meisten Läden sind geschlossen. Gegessen haben wir im El Rancho - mit Glück noch den letzten Platz erwischt, und so mussten wir nicht wie andere bis um 9 warten, um endlich essen zu können.

Am andern Morgen dann bei ziemlich schönem Wetter ging’s los - ich wieder im Auto. die Gegend wurde immer schöner, die mehrfarbigen Berge haben uns den ganzen Tag begleitet. Der erste Halt war zur Abwechslung wieder mal bei einem Shop - Yellowhorse Trading.

Und dann kam eine Gegend, die mich fast umgeworfen hat: Painted Desert! Einfach nur dasitzen und gucken! Und jeder Aussichtspunkt bietet mehr und mehr Ausblick in eine Gegend, die keine Vergleiche kennt. Die freie Fahrt war gemütlich, viele haben die Gelegenheit genutzt und ihren Helm auf dem Gepäckträger verstaut. Da eh nur maximal 35mph (also ca. 55km/h) erlaubt sind, ging das gut. Das Wetter spielte sogar mit!

Weiter durch den Petrified Forest, wo man haufenweise versteinerte Baumstämme anschauen kann (Steine sammeln übrigens bei Strafe streng verboten - Fahrzeugkontrollen werden gemacht!)

Aber bei soviel Eindrücken, so viel schönen Bildern... irgendwann läuft der Speicher voll, und man kann kaum noch Neues aufnehmen.

Im Holbrook gab’s Mittagessen. Unser Burgerladen war schnell, und diese Hälfte der Gruppe fuhr schon mal los. Die zweite Hälfte im andern Schuppen hat da erst ihr Essen gekriegt. So sind wir dann etwas später und gemütlich mit Güschtu als Tourleader auf die Interstate, Richtung Meteor Krater.

Absolut sehenswert und imposant! Allerdings... um es mit Louis' Worten zu sagen: "Ich hab schon manche Baugrube gesehen, und keine 14 Stutz dafür zahlen müssen".

Von dort bis Winona sind wir dann über die Interstate gebrettert, um noch mal kurz ab der Autobahn auf gemütliche Strassen zu wechseln. Kurzerhand mussten wir dann mal anhalten und unter Dach stehen. Sintfluten stürzten sich auf uns nieder, inklusive ein paar Hagelkörnern. Irgendwann sind wir dann doch weiter - Regenkombi mal wieder montiert - haben uns tapfer durch die Pfützen gekämpft, und stellenweise waren Strasse und Weiden daneben weiss vom Hagel.

Triefnass (mal wieder) und bei Vollschiff kamen wir in Flagstaff an. Das Happy Landing war anfangs noch verregnet, ab und zu durchsetzt mit Fleckchen blauen Himmels. Schnell war entschieden, dass wir morgen früh nicht schon um halb 6 losfahren um den Sonnenaufgang am Grand Canyon anzuschauen. Halb 9 reicht auch, kalt wird’s wahrscheinlich eh noch sein. Immerhin sind wir hier schon auf 2'130 m.ü.M.

Nach einem feinen Znacht gingen ein paar noch den Abend bei einem flüssigen Dessert ausklingen lassen. Dann wollen wir ausgeruht losfahren, um eins der grössten Naturwunder anzuschauen. Ich freue mich schon riesig und hoffe, Petrus gönnt uns eine super Aussicht!

 

Route 66 - Grosse Gräben, grosse Städte, grosse Hitze

 

Am Vorabend in Flagstaff haben wir noch alle gehofft, dass das Wetter hält, wenn wir an den Grand Canyon fahren. Bei allerschönstem Wetter sind wir dann also los, nordwärts, um das grandiose Naturwunder zu sehen. Es ging durch herrliche Landschaften, und nach den San Francisco Mountains auf der linken Seite tat sich das Land vor uns auf, und mit einem gehauchten "WOW!" fuhren wir in die Ebene vor uns. Endlose Weiten, die Berge vor uns, den Tempomat reinhauen und einfach nur gucken.

Nach einem kurzen Kaffeehalt ging’s individuell zum Parkeingang. Langsam sah man, wie sich im Boden Schründe auftun, die ersten Ausläufer des Grand Canyon begleiteten uns. Ohne es zu wollen fängt man an über Vergänglichkeit und Ewigkeit zu sinnieren. Kurz nach dem Eingang in den Grand Canyon Park dann der erste Blick über den grossen Graben. Einfach nur gucken, staunen, gucken, und noch mehr staunen! An die 100 Meilen Weitsicht auf alle Seiten... Wir fuhren dann am Südrand lang bis ins Canyon Village. Die Strasse führt durch die schier endlosen Kiefernwälder, immer wieder unterbrochen mit Haltestellen für einen unvergleichlichen Blick auf (einen winzigen Teil) den Canyon. Die veranschlagten 2 Stunden haben nie gereicht um überall anzuhalten und diese einzigartige Natur zu bewundern. Der Reiseführer schlägt 6 Stunden vor, und die sind meiner Meinung nach nicht zu grosszügig bemessen.

Im Canyon Village haben wir im IMAX Kino viel über die Geschichte des Canyon gelernt, sind virtuell hindurchgeflogen und haben die grandiosen Bilder auf uns wirken lassen. Nach einem Zmittag (und einem Besuch im Shop!) ging’s individuell nach Williams, südwärts. Auf halber Strecke ist ein Fliegermuseum, wo auch ein Schweizer Hunter steht. Alex und ich sind dort aber noch 300 Meter wieder retour gefahren, und haben bei der Tankstelle die alten wieder hergerichteten Autos fotografiert. Und wir wollten "noch schnell nur mal in den Shop schauen"... und sind prompt fündig geworden! Schöne Gilets (Ledervesten) gabs zu kaufen! Nach unserem Grosseinkauf ging’s auch für uns nach Williams. Dort trafen wir den Rest der Truppe. Diese waren in der Zwischenzeit auch fündig geworden, und so lief fast jede(r) mit einem Gilet rum. Sogar Kürtu hat sein Glück gefunden! Und so wurde der Tag offiziell zum "Nationalen Gilettag" auserkoren. Stolz wie Oskar lief dann die halbe Gruppe wie eine richtige Biker-Gang ziemlich gleich angezogen rum.

Von Williams war’s dann noch ein Katzensprung durch zivilisationsfreies Land, bis wir in Seligman ankamen. Der Ort ist fast ausgestorben, als 1978 die Interstate hier weit weg von der Route 66 aufmachte. Angel Delgadillo sagte mal: "Am 22. September 1978 pünktlich um 2 Uhr mittags liess man unsere kleine Stadt einfach sterben". Seligman ist ein härziger, herzlicher kleiner Ort, mit 6 Shops, 2 Motels und einem Restaurant. Jedenfalls nicht viel mehr als das. Bank haben sie auch keine, dafür auch keine Kriminalität. In Interviews verriet Filmemacher  John Lasseter, dass der fiktive Ort Radiator Springs in seinem Oskar-nominierten Pixar-Animationsfilm Cars hauptsächlich auf Seligman basiert.

Im Canyon Lodge bei Reinhard, einem ausgewanderten Deutschen, sind wir happy gelandet. Der Freiburger hat uns in breitestem Schwarzwälder Dialekt die Vorzüge und Ausgehmöglichkeiten des Orts erklärt. Da Reinhards Motel nicht die ganze Gruppe fassen konnte, mussten 5 von uns ins Nachbarmotel, das auch ganz gut ist.

Schnell noch eine Runde durch den Ort, ein Fotohalt bei Angel Delgadillo, und dann ab zu Lilo's zum Znacht. Noch eine ausgewanderte Deutsche, die in ihrem berühmten Restaurant Amerikanische und Deutsche Spezialitäten serviert. Die Portionen sind wie üblich mehr als gut bemessen, und sehr fein! Wein gibt’s hier allerdings im Limonadenglas. Und trotz des üppigen Znachts haben sich ein paar noch über den Zimtkuchen hergemacht.

Auf dem Heimweg sind wir noch auf einen Abstecher ins Black Cat. Die Bar macht erst zu, wenn der letzte Gast geht. Nach ein paar Bettmümpfeli und ein paar laut mitgesungenen Liedern aus unserer wilden Jugendzeit gingen wir zu noch recht christlicher Zeit ins Bett.

Zmorge gab’s bei Reinhard und Mike in ihrem winzigen Frühstücksraum, bzw. vor dem Motel auf dem Bank. Nach einem netten Gespräch mit den beiden, einem Abschiedsfoto und herzlichen Wünschen von den beiden schwangen wir uns aufs Bike, individuell gegen Kingman zu. Raus aus dem Ort, und schon fühlte man sich wieder im Niemandsland. Die lange Gerade von 17.5 Meilen (ca. 28km) lud zum träumen ein. Ein frischer Morgen, die Temperatur angenehm - Biker, was willste mehr!

Auf halbem Weg liegt Hackberry. Ausser einer ausgedienten Tanke mit Shop steht da nichts. Und doch sollte man da anhalten. Der Shop lässt es von aussen nicht vermuten, aber innen ist er ganz urchig, hat absoluten Charme. Und man sollte sich die Zeit nehmen, auf die Toilette zu gehen! Unbedingt bei Männlein UND Weiblein schnell reinschauen. Lohnt sich! :-)

Von Kingman geht’s dann über den Sitgraves Pass. Endlich Kurven! Die Strasse ist allerdings nicht bergrenntauglich, und man ist besser dran weiterhin gemütlich zu cruisen und sich die Zeit zu nehmen gemütlich die Landschaft zu geniessen.

Auf der andern Seite des Passes wartet Oatman. Der Ort ist absolut einen Halt wert. Durchbrettern geht eh nicht! In Oatman laufen die Esel frei rum, lassen sich streicheln, aber sicher nicht stören. Man sollte sehr langsam durch den Ort fahren, hier haben die Esel den Vortritt, und so mancher muss vorsichtig um die Esel zirkeln, denn die fliehen nicht.

Neben den unzähligen Shops gibt’s ein paar gemütliche Beizen, und um 13.30 Uhr wird eine Schiesserei inszeniert. Ein lustiges Spektakel, das stets viele Menschen anzieht.

Von Oatman geht’s westwärts, und am Colorado River gab’s eine Abkühlung sondergleichen: Einmal in den Fluss hüpfen! Was einige dann auch wörtlich nahmen ;-) Die Abkühlung war aber auch nötig, weil jetzt kamen etliche Meilen auf uns zu, und das bei 109°!! (also Fahrenheit, das sind an die 43°C!). Wahrscheinlich war’s stellenweise noch heisser. Das war der brutalste Nachmittag dieser Reise. Die letzten Meilen quälten wir uns nordwärts auf Las Vegas zu. Und "Zack!", eh man sich's versieht, ist man raus aus der Wüste und in der Megastadt drin! Von Weitem schon sieht man die Hotels am Strip, an der Hauptstrasse der Stadt.

Endlich im Hotel angekommen, und nach langer Wanderung mit Koffer im Schlepp endlich die Reception erreicht, Schlüssel fassen und erst mal ins Zimmer, die Ruhe und eine Dusche geniessen. Eine riesige Suite mit Blick auf den Strip. Schon aus unserem Zimmer im 24. Stock ein grandioser Ausblick, und erst von Charlys Zimmer im 61. Stock - Hammer!

Alle zusammen gingen wir ans Grand Buffet, wo es unzählige Spezialitäten à Discretion gibt. Und danach ein erstes Lichterschauen, noch ein Verdauungsspaziergang einmal um den Block. Man sollte die Distanzen nicht unterschätzen. Man läuft eine halbe Stunde und ist unter Umständen noch immer beim gleichen Hotel. Nach einem Schlummerbecher mit Klaus ging’s dann erst mal in die Federn. Völlig fertig und ganz leicht überfordert schliefen wir etwas aus.

Am freien Tag haben alle die Stadt auf ihre eigene Art erkundet. Einige leisteten sich einen Flug über den Grand Canyon, andere fuhren erst mal ins Outlet. Wir sind mit dem Bus einmal quer durch die Stadt und retour gefahren. Erst nach Old Downtown, dann ins Outlet South und wieder ins Hotel. Eigentlich wollten wir am Nachmittag noch etwas ins Hotel für eine Siesta. Aber wie gesagt: Unterschätze die Stadt nicht! Es reichte dann gerade mal für eine Dusche, und schon war’s Zeit fürs Znacht. Mit Blick aufs Hotelcasino haben wir gediegen gespiesen und nach dem Schlummertrunk mit Charly ging’s auch schon ins Bett.

Las Vegas kann man eigentlich sehr schwer mit Worten beschreiben, man muss es erlebt haben. Überall Casinos, Hotels, Musik, Leute, Futterläden, noch mehr Casinos, ... Sehr ungewohnt für mich als Landei war die Musik überall. Im Hotel, in den Läden, auf der Strasse. Es gibt keinen öffentlichen Ort ohne Beschallung. Eine surreale Scheinwelt. Und doch faszinierend.

Nach einem schnellen Zmorge oder nur Kaffee fuhren wir heute los, raus aus Las Vegas. Nach einem Tank- und Zmorgehalt ging’s südwärts, durch die Mohave-Wüste. Bei angenehmen 33°C fuhren wir wieder durch endlose Weiten, ab und an an einem Vulkankegel vorbei. Ein Fotostopp bei grossen Kakteenbäumen, und ein Wasser- und WC-Halt bei Roy's Café in Amboy. Der nächste Halt war nicht in Bagdad, aber beim Bagdad Café, wo auch der Film "Out of Rosenheim" mit Marianne Sägebrecht gedreht wurde. Sogar ihr Staubsauger steht noch dort ;-) Touristenscharen überschwemmen regelmässig das kleine Café, und so sind wir weiter, über die (schlechte) Route 66, nach Yermo. Am Strassenrand und in der Ebene kann man regelmässig Mini-Tornados sehen.

Nach dem Zimmerbezug fuhren die meisten noch kurz nach Calico, einer Geisterstadt, die sehr gut als Film-Westernstadt durchgehen kann. Witzig ist das schiefe Haus, und unsere Leute haben sich gefreut wie die Kinder. Ich bin diesmal aber nicht mit der Truppe mit, und wir paar Müden haben uns an und in den Pool gesetzt und den Feierabend genossen. Nach dem Happy Landing ging’s dann in den Diner nebenan. Urchig und noch wie in den 50ern, steht die silberne Blechrolle da und bedient die Leute 24/24h.

So, und jetzt erst mal schlafen gehen. Morgen fahren wir in L.A. ein!

 

Route 66 - Finale

 

In Yermo wurden ein letztes Mal die Töffs gesattelt. Ein letztes Mal Auto und Pickup mit Koffer beladen... Ein letztes Briefing - und die letzte Etappe fing an.

Der erste Halt war bei Elmer in Oro Grande, der ein sehr ausgefallenes Hobby pflegt. Er sammelt neben alten Metalldingen alte, leere Flaschen. Daraus kreiert er dann seine "Bottle Trees". Eigentlich ist ein schneller Besuch der Bottle Tree Ranch viel zu kurz. Man findet immer wieder interessante Dinge: alte Schreibmaschinen, Revolver, ausrangierte Raketen, Militärhelme und Bomben mit Vogelnestchen drin, ...

In Victoreville gab’s dann noch einen Kaffeehalt bei einem Dorfladen, als auf einmal unser Kürtu blass um die Nase wurde und sich erst mal ein paar Minuten hinlegen musste. Im Nu waren einige Frauen da, um sich um unsern "Ätti" zu kümmern, und sogar die Hundedame vom Ladenbesitzer kam und schmiegte sich an ihm.

Als Kürtus Kreislauf dann wieder mitmachte, fuhren wir von der Route 66 ab, durch die San Bernardino Mountains. Wir Schweizer haben’s genossen! Eine Traumstrecke als krönender Abschluss. Kurven, Aussicht, Kurven, Berge, noch mehr Kurven... Beim eigentlichen Mittagshalt war die Beiz kurz überfordert, als wir fragten, ob es Mittagessen gäbe, also beliessen wir's bei ein paar Chips und machten uns auf den Weg runter ans Meer.

Dann kam Los Angeles! Gross, dunstig, endlos! Aber irgendwie haben wir’s geschafft zusammenzubleiben und das Santa Monica Pier zu erreichen, wo das Ende der Route 66 ist. Eigentlich ist das Ende in einem heute verkehrsfreien Park neben dem Pier, aber irgendwie mochte so niemand recht dorthin laufen um die Tafel zu fotografieren. Also noch ein letztes T-Shirt, ein letzter Pin, etwas zu futtern und eine Cola.

Unser nächstes Ziel war unser Motorradvermieter, knapp 20 km von Santa Monica weg, quer durch die Stadt. Die Töffs fuhren vom Pier weg, vor meinem Auto ging die Schranke runter, und ich musste erst mal warten bis ich die Parkgebühr bezahlen konnte. Dadurch und durch das Gewimmel auf der Strasse verlor ich die Töffgruppe sofort aus den Augen. Aber für etwas gibt’s ein Navi. Wir haben unsern Weg schnell gefunden und bei André, dem Vermieter, gewartet. Die Töffgruppe ist nur 2 Querstrassen neben uns via Venice Beach südwärts zum Vermieter gefahren. Nach und nach trafen dann alle ein, und die Töffs konnten zurückgegeben werden. Teils erleichtert, teils mit einem Tränchen im Auge wurde den Mopeds lebwohl gesagt, und wir fuhren zum Hotel, nur ein paar Minuten weiter.

Unsere Leute haben dann erst mal Zimmer bezogen, geduscht und sich fürs Znacht parat gemacht. Ich musste noch mit Charly den SUV am Flughafen zurückgeben. Das ging schnell, und wir fuhren mit dem Taxi ins Hotel zurück.

Leicht auf den Felgen und hungrig mussten wir dann doch noch eine knappe Stunde warten, bis wir dann unser Znacht bekamen. Die Rigatoni waren - wenn auch nicht mehr warm - lecker.

Nach ein, zwei, drei ... Schlummerbechern (Danke Louis!) ging’s dann mal ins Bett. Am Samstag war etwas länger schlafen auf dem Programm!

Endlich aus dem Bett gekrabbelt ging’s ans Koffer packen. Alles musste irgendwie da rein, was wir sonst in verschiedenen zusätzlichen Plastiktaschen und Töff-Satteltaschen rumgeschleppt haben. Die 20 zusätzlichen T-Shirts mussten systematisch verstaut werden, dafür blieben die alten Schuhe und der ausrangierte Helm da. Shampoo blieb auch da, wegen dem Flüssigkeitsverbot auf dem Flieger. Alles dreimal umgetischt, bis alles passte, das Gewicht die zugelassenen 23kg nicht mehr überschritt, und das Handgepäck dennoch einigermassen angenehm zu tragen war.

Dann die Hiobsbotschaft: Statt um 19.30 Uhr ginge unser Flug gut 2 Stunden später. Der Flieger ist schon gut 2h später wegen technischer Probleme in Zürich gestartet. Treffpunkt im Hotel für die Abreise: 17 Uhr. Jetzt hiess es also, den Tag noch irgendwie rumbringen. Einige fuhren mit dem Taxi nach Hollywood, andere ans Meer, diverse in grosse Einkaufszentren... Wir erforschten ausgiebig die zwei Einkaufsläden gleich neben den Hotel, gönnten uns einen Kaffee im Starbucks und wackelten gemütlich wieder zum Hotel - erst Mittag. Mist! Über kurz oder lang sassen dann alle im Garten des Hotels, irgendwann wurde Bier geholt, und wir machten unser letztes Happy Landing.

Um knapp 17 Uhr wurden wir von Hotelshuttle und Töffvermieter André mit seinem Minibus zum Flughafen gekarrt. Der Flughafen war ziemlich leer, und das Einchecken war schnell gemacht. Wegen der Verspätung erhielten wir einen Essensgutschein von $ 15.- von Swiss, welchen wir dann auch sofort eintauschten.

Gemütlich wackelten wir dann weiter zu den verschiedenen Kontrollen. In L.A. muss man die Schuhe ausziehen und sich durchleuchten lassen, gelegentlich wird man sogar noch zusätzlich abgetastet. Da wird ganz genau gearbeitet. Wir hatten auch genug Zeit, und so war’s kein Problem.

Vorbei an diversen verlassenen und geschlossenen Shops kamen wir an unserem Gate an. Dort ging die Warterei weiter. Um knapp 22 Uhr konnten wir dann langsam boarden, und um 22.30 Uhr flogen wir dann endlich ab! Swiss servierte uns noch ein Znacht, dann war Lichterlöschen. Erst über dem Europäischen Festland, so gegen 17.30 Uhr Schweizerzeit, kam wieder Leben in die Bude. Das Zmorge (Ha-ha!) wurde serviert.

Beim Gepäckband in Zürich haben wir uns dann von unseren alten und neuen Freunden verabschiedet, ein letztes "Machs guet u bis gli!", und dann mal schauen, dass wir auf den Zug kamen. Einfach nur noch heim!


Route 66 - mein Fazit

 

Liebe Leser, Freunde und Mitfieberer

 

Mit Freude habt ihr mitverfolgt, wie es uns auf der Route 66 ergangen ist, habt unsere Abenteuer hautnah mitbekommen. Und mit Freude habe ich jeweils die Zeilen geschrieben, auch wenn vielfach kaum Zeit übrig war, oder mir der PC abstürzte, und ich den ganzen Artikel bis spät in die Nacht noch einmal schreiben musste (hätte mehr abspeichern sollen :-/)

Diese Reise konnte ich aus zwei Blickwinkeln miterleben: Zum Einen aus der Sicht des Teilnehmers, der in seinen Ferien eine geführte Motorradreise mitmacht, ein grosses Land entdeckt, und der sich praktisch um nichts kümmern muss. Und zum Andern aus der Sicht des Organisators, der auch während der Reise noch so einiges organisieren und planen muss.

Ich habe sehr viel gelernt, und freue mich schon auf nächsten Juni, wenn ich wieder diese wunderbare Reise mitmachen kann, diesmal dann mehr als Organisator denn als reiner Teilnehmer.

Als Teilnehmer kann ich sagen, dass die Reise Tip Top lief! Wir haben viel gesehen, viele interessante Orte besucht. Kleine Orte, die viele gar nicht ansteuern. Aussichten, wo andere durchbrettern. Alternativrouten, nur ein paar Meilen neben der Route 66, die es aber wert sind dass man sie abfährt. Andere Anbieter brettern die Intserstate runter, steuern Harley-Händler und Harley-Shops an und sehen nicht wirklich viel. Das ist sehr schade, es gibt nämlich so viel zu sehen! Wir haben viel erlebt, hatten jede Menge Spass. Ab und an ist ein Töff beim Parkieren umgekippt - aber für etwas gibt’s Motorschutzbügel. Und so ist ausser einem abgebrochenen Fähnchen und einer zerbrochenen Windschutzscheibe am Töff kein Unfall passiert. Ein Begleitfahrzeug im Tross für Wasservorräte in heissen Gegenden und für den Gepäcktransport ist auch sehr sinnvoll. So konnten unsere Leute entspannt und umsorgt die Reise geniessen. Einzig die ganzen Klimaanlagen haben uns etwas gefordert.

Vom Standpunkt des Organisators aus ist es natürlich eine grosse Arbeit. Von der Organisation und Vorbereitung vor der Reise abgesehen gibt es jeden Tag viel zu tun: Die Abrechnungen mit den Hotels, am Morgen die Routenplanung, schauen dass die Teilnehmer sich um nicht viel mehr als das Geniessen kümmern müssen, und am Abend die Nachbearbeitung mit Tagebuch, Notizen, was auf der nächsten Reise wieder so oder besser laufen müsste...

In diesem Sinne schliesse ich nun die Route 66 2013 ab. Für alle, die sich für eine nächste Reise schon eingeschrieben haben, oder die es sich noch überlegen: Es lohnt sich! Spart das Geld, nehmt euch die Ferien und kommt mit - Lebt euren Traum von der Route 66 auf einer Harley, quer durch die Vereinigten Staaten! Wir fahren jedes Jahr wieder hin. Mittlerweile schon seit 25 Jahren, und immer wieder mit viel Freude. The Mother Road - die Mutter aller (Töff-)Strassen - wartet auf euch!

Brünisried, 22. September 2013

Sandra Buchs, Toeffreisen.ch

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